Ausgabe 1 >2018
1 2018 Esslinger Gesundheitsmagazin 39 das Kind in „sauberer“ Luft aufwächst: es sollten keine Fell- und Federtiere gehalten werden, vor allem keine Katzen, und es sollte in der Wohnung nicht geraucht werden. Immerhin besteht bei Mädchen eine gewisse Aussicht, dass im späteren Leben nach einer Schwanger- schaft die Beschwerden verschwinden oder wenigstens nachlassen, das gilt auch für einen oft gleichzeitig beste- henden Heuschnupfen. Die zweite Frage können die Kinderärzte mit Ja beantworten – sofern das Kind die richtige Behandlung bekommt und vor allem diese auch konsequent und richtig durchführt. Wie bereits angesprochen, brauchen manche Patienten nur ein einziges Spray für den Notfall: Treten die Anfälle selten, alle zwei bis drei Monate auf, reicht ein bronchienerweiterndes Spray. „Dieses Spray müssen die Kinder immer dabei haben, besonders zum Sportunterricht und bei längeren Ausflügen im Sommer“, sagt Dr. Behrwind. Inhalieren mit Medikamenten Treten dagegen Beschwerden häufiger auf, ist eine tägliche Therapie mit einem entzündungshemmenden Medikament erforderlich. Denn das typische Asthma ist eine Entzündung der Bronchien, die eben durch Allergene hervorgerufen wird und das wirksamste Medikament ist und bleibt Kortison, welches ebenfalls mit einem Spray inhaliert wird. „Die meisten Eltern haben Bedenken, zumal sie Neben- wirkungen befürchten, etwa was das Wachstum betrifft“, sagt Dr. Behrwind. Oft wird deshalb das Medikament unre- gelmäßig oder gar nicht angewendet. Darummuss ausführlich darüber gespro- chen und aufgeklärt werden. Die Eltern müssen wissen, dass eine ungenügende Behandlung langfristig mehr Nebenwir- kungen an der Lunge haben könnte als das Inhalieren mit einem Spray, das ja sehr viel weniger Kortison enthält als eine Tab- lette und auch nur in die Lunge gelangt. Die Kinder müssen täglich zweimal inha- lieren. Um es ihnen zu erleichtern, sollen Eltern das Inhalieren zu einer Routine machen – ähnlich wie das Zähneputzen. Ganz wichtig für den Erfolg der Behand- lung ist dann noch die richtige Inhalati- onstechnik, die bei den ambulanten Vor- stellungen der Patienten überprüft und gegebenenfalls verbessert wird. Der zuletzt genannte Punkt gehört auch zu einer sehr wichtigen „Säule“ der Asthmabehandlung, nämlich der Asthma- schulung. Diese wird strukturiert nach einem festen Plan durchgeführt, ent- weder stationär im Rahmen einer mehr- wöchigen Rehabilitation oder ambulant an mehreren Nachmittagen, hier im Land- kreis Esslingen organisiert durch das Team „Albwind“. In passenden Altersgruppen lernen die Teilnehmer, wie sie richtig inha- lieren oder wie sie Symptome eines sich anbahnenden Asthmaanfalls frühzeitig erkennen und diesen mit Hilfe eines einfachen Notfallplans abwenden können, was sie im möglicherweise doch ein- getretenen Notfall tun müssen: Anwen- dungen bestimmter Atemtechniken wie die Lippenbremse und Einnahme von sogenannten atemerleichternden Stellun- gen wie dem „Kutschersitz“ und der „Tor- wartstellung“. Jedes Kind benötigt einen schriftlichen Notfallplan für zuhause und auch für die Schule; dort ist der Ablauf genau beschrieben, was in einem Notfall zu tun ist. Der Plan enthält auch wichtige Telefonnummern. Und der Sport? Ein sehr wichtiges Thema, gerade auch in der Asthmaschulung; denn viele Kinder und ihre Eltern sind unsicher, zumal, wenn das Kind ein Belastungs- asthma hat. Dies trifft auf 80 Prozent der Asthmatiker zu. Früher saßen die Kinder im Sportunterricht als Zuschauer auf der Holzbank. Damals gab es aber auch keine passende und angemessene Behandlung. Heutzutage muss das Asthma so behan- delt werden, dass das Kind unbeschwert Sport treiben kann; regelmäßige Bewe- Klinikum Esslingen Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Oberarzt Dr. Giso Behrwind Telefon 0711 3103-3501 g.behrwind@klinikum-esslingen.de Dr. Giso Behrwind Kinderarzt und Kinderpneumologe Weitere Fachärzte für Asthma bei Kindern Dr. Dan Dietrich Kinderarzt und Kinderpneumologe Sulzgrieß Straße 118 73733 Esslingen Telefon 0711 57747900 Dr. Markus Oßwald Kinderarzt und Kinderpneumologe Obertorstraße 39 73728 Esslingen Telefon 0711 355887 Dr. Peter Krauß Kinderarzt und Kinderpneumologe Schorndorfer Straße 55 73730 Esslingen Telefon 0711 312574 gung ist ja erstens ein natürliches Grund- bedürfnis des Kindes und zweitens tut es der Lunge gut. „Sport verbessert in gewisser Weise die Lungenfunktion“. Seine Notfallmedikamente sollte das Kind aber immer dabei haben. Vor Asthma braucht man keine Angst zu haben; aber man muss Bescheid wissen, Symptome frühzeitig erkennen und dann angemessen behandeln. Und die tägliche Behandlung muss zur Routine werden – wie das Zähne putzen. aw
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