Ausgabe 1 >2020

24 Esslinger Gesundheitsmagazin 1 | 2020 Wenn alte Menschen ins Wir werden immer älter. In Deutschland liegt die Lebenserwartung neugeborener Mädchen heute bei 83 Jahren, die von Jungen bei 78. Kein Wunder also, dass Senioren bereits heute eine der größ- ten Patientengruppen in deutschen Krankenhäusern ausmachen. Tendenz steigend. „Die Altersmedizin, auch Geriatrie genannt, wird weiter an Bedeutung gewinnen“, sagt Dr. Ulrike Wortha-Weiß, Leitende Oberärztin am Klinikum Esslingen. Altersmedizin: Ganzheitlicher Ansatz Einen geriatrischen Schwerpunkt gibt es am Klinikum Esslingen bereits seit 1996, seit 2006 leitet ihn Dr. Wortha-Weiß. Auf die Frage, was ein Geriater macht, antwortet sie: „Die meisten Berei- che der Medizin sind spezialisiert: Der Kardiologe hat die Herz­ insuffizienz im Blick, der Diabetologe die Zuckererkrankung und der Chirurg operiert den Schenkelhalsbruch. Typisch für betagte Patienten ist, dass mehrere, teils chronische Erkrankungen oder Einschränkungen zusammenkommen. Außerdem benötigen die Patienten oft nicht nur medizinische, sondern auch soziale Unter- stützung. Mein Auftrag als Altersmedizinerin ist es also, den Patienten als Ganzes im Blick zu haben.“ Dr. Ulrike Wortha-Weiß, Leitende Oberärztin Geriatrie am Klinikum Esslingen, sagt: „ Alte Patienten sind besondere Patienten.“ Denn neben der Behandlung des konkreten Symptoms kommt es bei geriatrischen Patienten auch darauf an, Alltagskompetenz, Mobilität und Selbständigkeit zu erhalten und zu fördern. Für eine ganzheitliche medizinische Versorgung des Patienten werden immer viele Aspekte berücksichtigt: Benötigt ein Patient verschiedene medikamentöse Therapien, muss spezielles Augen- merk auf mögliche Wechselwirkungen gelegt werden. Bei Demenz- Patienten ist wichtig, dass der Betroffene durch eine Bettlägerig- keit vorhandene Fähigkeiten nicht verlernt. Wer durch eine Fraktur oder einen Schlaganfall dauerhaft in seiner Mobilität eingeschränkt ist, kann nach dem Krankenhausaufenthalt womöglich nicht zurück in sein häusliches Umfeld. Um frühzeitig festzustellen, ob geriatrische Zusatzbetreuung oder Hilfe durch den Sozialdienst benötigt wird, wird in der Notauf- nahme des Klinikum Esslingen bei Patienten, die über 70 Jahre alt sind, automatisch ein sogenanntes „Geriatrisches Screening“ durchgeführt. „Wir fragen direkt bei der Aufnahme nach Vorer- krankungen, früheren Klinikaufenthalten und der Anzahl von Medi- kamenten, die der Patient einnimmt. Außerdem klopfen wir ab, ob eine Kognitionsstörung vorliegt und ob jemand im Alltag auf Hilfe angewiesen ist“, berichtet Dr. Wortha-Weiß. So können bei der Behandlung von Anfang an die richtigen Weichen gestellt werden. Krankenhaus müssen

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