Ausgabe 1 >2020
Mit den Pflegekassen und dem Sozialhilfeträger verhandelt Naujoks etwa alle zwei Jahre den Pflegesatz für die Einrichtun- gen der Städtischen Pflegeheime Esslingen. In diesem Pflege- satz wird auch der Personalschlüssel festgelegt, der innerhalb der landesweit für die stationäre Altenpflege festgelegten Band- breiten liegen muss. Innerhalb dieser Bandbreite gibt es Spiel- raum. „Wir legen den höchsten Personalschlüssel zugrunde, denn nur dann können wir gute Pflege garantieren“, sagt er. Der Personalschlüssel ist unter ande- rem dafür verantwortlich, dass sich die Preise von Einrichtung und von Träger zu Träger unterscheiden. Denn je mehr Personal, desto teurer die Ein- richtung. 70 bis 80 Prozent des Entgeltes für einen Heimplatz werden durch die Personalkosten bestimmt, so die Einschätzung des Geschäftsführers für seine Einrichtungen. „Unsere Heiment- gelte bewegen sich im oberen Drittel, aber wir wollen eine gute Versorgung der Bewohner garantie- ren und bestmögliche Arbeitsbedin- gungen haben“, sagt er. Eine Notiz am Rande: Thilo Naujoks kann zu- sätzliche Mittel aus dem Personal-Stärkungsgesetz erst dann beantragen, wenn er die vereinbarten Personal- schlüssel vollständig erfüllt hat. Doch aufgrund der angespann- ten Lage auf dem Arbeitsmarkt ist es schwierig, genug Pflege- kräfte anstellen zu können, um die Personalschlüssel zu erfüllen. Die Einhaltung der festgelegten und vereinbarten Per- sonalausstattung wird alle sechs Monate kontrolliert. Bei Nichteinhaltung droht den Einrichtungen die Rückzahlung des Heimentgeltes an die Bewohner. Um das zu vermeiden, gibt es zwei Möglichkeiten: entweder wird der Personalschlüssel angepasst und gesenkt oder es können keine neuen Bewohner mehr aufgenommen werden. Eine Zwickmühle, in die Thilo Naujoks immer wieder kommt. Denn aus betriebswirtschaft licher Sicht wäre es richtig, die Personalschlüssel etwas zu sen- ken und sie an die aktuelle Verfügbarkeit von Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt anzupassen. Zudem wurden die Einrichtun- gen entweder neu gebaut oder aufwendig saniert, sodass es aus ökonomischer Sicht keinen Sinn macht, die finanziellen Einbußen durch das Schließen von Plätzen hinzunehmen. Und dann ist da aber die sehr hohe Nachfrage nach Pflegeheim- plätzen und der Anspruch, Zeit für gute Pflege zu haben. „Der Gemeinderat unterstützt uns als Pflegeheime zum Glück in unserer Ansicht, dass man für gute Pflege Zeit und ausreichend Personal benötigt und dass betriebswirtschaftliche Gesichts- punkte zweitrangig sind“, sagt Naujoks. Trotzdem musste aber auch er schon Plätze schließen. Denn obwohl die Arbeitsbedin- gungen bei den Städtischen Pflegeheimen gut sind, kann auch Thilo Naujoks nichts gegen die angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt ausrichten. Hinzu kommt, dass es in den Pflege- heimen eine gesetzliche Fachkraftquote von 50 Prozent gibt – doch Fachkräfte sind rar. „In Zukunft wird die Fachkraftquote fallen und ein intelligenter Personalmix die Einsatzplanung des Personals dominieren“, glaubt Naujoks. Nach seiner Einschät- zung werde es dann mehr darum gehen, die Kompetenzen des Einzelnen optimal zu nutzen und in der Pflege einzusetzen. Um den Bedarf an Pflegekräften auch in Zukunft decken zu können, hat Geschäftsführer Naujoks einige Verbesserungs- vorschläge. „Die Personalausstattung muss besser werden, denn die Anforderungen werden größer. Die demografischen Zahlen zeigen uns das“, sagt er. Ein Flächentarifvertrag für Pflegekräfte ist gemeinsam mit besseren Löhnen ein wichtiger Baustein. Der Lohn sollte sich nach seiner Ansicht an die Ent- wicklung auf dem Arbeitsmarkt anpassen. „Es herrscht das Marktgesetz von Angebot und Nachfrage.“ Eine bessere Lohnentwick- lung trage zudem auch dazu bei, dass der Beruf attraktiver werde und so für geplante Personalerhöhungen in Zukunft auch genügend Fach- kräfte zur Verfügung stehen. Rahmenbedingungen mit einem gesetzlichen und gut begrün deten sowie nachvollziehbaren Personalbemessungsverfahren seien ein weiterer Baustein. So könne man ermöglichen, dass genug Zeit für die P flege und Betreuung bleibe. „Dieser Beruf macht so viel Spaß und bietet Raum für Entfaltung, wenn man sich intensiv mit den Bewohnern befassen kann“, sagt Naujoks. Gerade deshalb stört es ihn, dass in den Medien der Beruf der Pflegekraft so negativ dargestellt werde. „Es geht nur noch um den Mangel und die negativen Seiten. Eine Berichterstattung über positive Geschichten würde dem Image des Berufs sehr guttun.“ Und so schlecht kann der Beruf nicht sein: denn in den letzten zehn Jahren haben sich die Ausbil- dungszahlen zur Fachkraft für Altenpflege in Baden-Würt- temberg um 36 Prozent gesteigert. „Jetzt muss alles dafür getan werden, dass diese Menschen in der Altenpflege bleiben und gute Arbeitsbedingungen vorfinden.“ aw 1 | 2020 Esslinger Gesundheitsmagazin 39 Städtische Pflegeheime Esslingen Hindenburgstraße 8–10 73728 Esslingen www.pflegeheime-esslingen.de 70 bis 80 Prozent des Entgeltes für einen Heimplatz werden durch die Personalkosten bestimmt. Kontakt
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