Ausgabe 2 >2019

2 2019 Esslinger Gesundheitsmagazin 7 „In kaum einemmedizinischen Fachgebiet ist derzeit so viel Bewe- gung, mit neuen Forschungsergebnissen und neuen erfolgreichen Medikamenten, wie in der Kardiologie“, sagt Professor Dr. Matthias Leschke, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneu- mologie am Klinikum Esslingen. Gerade ist der Herzspezialist vom weltweit größten Kardiologenkongress aus Paris zurück. 35.000 Ärzte haben Anfang September auf dem Kongress der European Society of Cardiology (ESC) aktuelle Forschungsergebnisse und neue Behandlungsleitlinien für Herz-Kreislauf-Erkrankungen diskutiert. „Es gibt inzwischen für praktisch alle Herz-Kreislauf- Erkrankungen sehr differenzierte europäische Leitlinien, die regelmäßig von einem Expertengremium nach den neuesten For- schungsergebnissen überarbeitet werden und an die sich alle behandelnden Ärzte halten müssen“, erläutert Professor Leschke. Allein fünf überarbeitete Behandlungsleitlinien wurden in diesem Jahr in Paris vorgestellt. Das Spektrum, dass die Kardiologen behandeln, ist ziemlich umfangreich: Zu den Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen der Bluthochdruck und die koronare Herzkrankheit mit dem dramati- schen Ereignis Herzinfarkt, die Herzschwäche, auch Herzinsuffi- zienz genannt, die Endokarditis oder Herzklappenentzündung, Erkrankungen der Herzklappen und Herzrhythmusstörungen, aber auch Erkrankungen der Gefäße, wie Arterienverkalkungen oder Arteriosklerose, arterielle Verschlusserkrankungen oder Thrombo- sen, wie die tiefe Beinvenenthrombose. Die mit Abstand häufigste Herz-Kreislauf-Erkrankung ist der Blut- hochdruck, von dem etwa 20 Prozent aller Erwachsenen betroffen sind. Vor allem ältere Menschen leiden unter Bluthochdruck. Die koronare Herzerkrankung folgt auf Platz 2. Bei dieser Form der Arterienverkalkung sind die Arterien, die das Herz versorgen, die Koronararterien, betroffen. Bei etwa sechs Millionen Menschen in Deutschland ist diese Diagnose gestellt. Lässt die Pumpleistung des Herzens nach, sprechen Mediziner von einer Herzinsuffizienz, die bei uns etwa zwei Millionen Menschen betrifft. Das Problem: Die meisten Herz-Kreislauf-Erkrankungen hängen miteinander zusammen, begünstigen sich gegenseitig. Ein zu hoher Blutdruck kann beispielsweise zu einer Herzschwäche führen, weil das Herz permanent überlastet ist. Eine Verkalkung der Arterien, die Arteriosklerose, kann die Herzkranzgefäße ebenso betreffen wie die Halsschlagader oder die Arterien der Beine. In Folge kön- nen Herzinfarkt, Schlaganfall und periphere Durchblutungsstö- rungen mit der Gefahr eines arteriellen Verschlusses auftreten. Kardiologen haben deshalb immer das gesamte Herz-Kreislauf- System im Blick. Verdachtsdiagnose Herzschwäche In die Esslinger Kardiologen-Praxis Borst/Merher kommen die Patienten in aller Regel auf Überweisung durch ihren Hausarzt. Der hat dann oft schon den Bluthochdruck des Patienten mit Medi- kamenten behandelt, hat nun aber den Verdacht, dass sich der Bluthochdruck auf Herz und Herzgefäße ausgewirkt haben könnte. Ist der Hochdruck-Patient beispielsweise kurzatmig, kommt beim Treppensteigen schnell „aus der Puste“, dann ist das ein Anlass, den Ursachen auf den Grund zu gehen. „Ein Großteil unserer Pati- enten kommt mit einer Verdachtsdiagnose in unsere Praxis“, berich- tet Dr. Ulrich Borst. Dem Kardiologen ist es wichtig, für die Abklä- rung einer solchen Verdachtsdiagnose zeitnahe Termine frei zu halten. „Ein Termin erst in neun Monaten kann zu spät sein.“ Meist ist eine Ultraschall-Untersuchung (Echokardiografie) des Herzens der erste Schritt. Dazu wird der Schallkopf des Ultraschallgerätes Dr. Rima Merher Dr. Ulrich Borst Professor Dr. Matthias Leschke Notfall Herzinfarkt „Bei folgenden Zeichen im Herzbereich oder Brustkorb sollten Sie sofort an einen Herzinfarkt denken und ohne Zeitverlust den Notarzt rufen“, beschreibt zum Beispiel die Deutsche Herzstiftung die wichtigsten Symptome: Starke Schmerzen Mit einer Dauer von mindestens fünf Minuten, über- wiegend im Brustkorb, häufig auch ausschließlich hin- ter dem Brustbein. Bisweilen strahlen die Schmerzen auch in andere Körperregionen aus – z. B. in die Arme, den Oberbauch, zwischen die Schulterblätter in den Rücken oder in den Hals und Kiefer. Massives Engegefühl Oft tritt ein Herzinfarkt mit einem heftigen Druck oder einem sehr starken Einschnürungsgefühl imHerzbereich in Erscheinung. Viele Menschen mit einem Herzinfarkt haben das Gefühl, dass ihnen ein Elefant auf der Brust steht. Heftiges Brennen Oft handelt es sich bei den Schmerzen eines Herz­ infarkts auch um ein stark brennendes Gefühl. Übelkeit, Erbrechen, Atemnot und Schmerzen im Oberbauch Ein Herzinfarkt kann sich auch alleine mit so genann- ten „unspezifischen Anzeichen“ bemerkbar machen, was bei Frauen etwas häufiger vorkommt als bei Männern. Zu unspezifischen Anzeichen zählen z. B.: Übelkeit, Atemnot, Schmerzen im Oberbauch und Erbrechen. Da solche Beschwerden auch bei anderen harmloseren Erkrankungen auftreten können, empfiehlt die Deutsche Herzstiftung, immer dann den Notarzt zu rufen, wenn diese unspezifischen Beschwerden in zuvor noch nie erlebtem Ausmaß auftreten. Möglicherweise steckt dann ein Herzinfarkt dahinter. Angstschweiß mit kalter, fahler Haut Häufig tritt bei einem Herzinfarkt zusätzlich Angst auf, die sich z. B. mit einer blassen/fahlen Gesichtsfarbe und Kaltschweißigkeit bemerkbar machen kann. (Quelle: www.herzstiftung.de ) >>>

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