Ausgabe 2 >2020

2 | 2020 Esslinger Gesundheitsmagazin 33 Zusätzlich zum Gesundheitsbereich sind auch viele andere städtische Einrichtungen immer noch im Ausnahmezustand … Dr. Jürgen Zieger: Ja, nahezu alle öffentlichen Bereiche sind massiv von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betrof- fen: Kultur, Sport, Soziales. Wir sind vollauf damit beschäftigt, die vielfältigen Themen, Richtlinien und Neuerungen, die die Pandemie mit sich bringt, umzusetzen und an die Bedürfnisse des Landkreises und der Stadt Esslingen anzupassen. Damit diese Prozesse transparent ablaufen, verschicken wir regel- mäßig Newsletter an die Gemeinderäte und informieren unsere Bürger über die aktuellen Entwicklungen auf unserer Home- page. Auch für uns in der Stadtverwaltung war und ist die Corona-Pandemie die größte Herausforderung der letzten Jahrzehnte. Wie hoch sind die finanziellen Belastungen? Matthias Ziegler: Die sind natürlich enorm. Allein durch das Aufrüsten der Intensivkapazitäten und Beatmungsbetten, der Schutzausrüstung und der Hygieneausstattung entstanden Kosten in Millionenhöhe. Durch die Umstellung vom Regelbe- trieb auf den Notfallbetrieb konnten außerdem zwischenzeit- lich keinerlei planbare Operationen und Behandlungen mehr durchgeführt werden, was Erlöseinbußen zur Folge hatte. Hier konnten wir uns auf die zugesagte Soforthilfe der Bundes­ regierung verlassen. Sie hat in kurzer Zeit mit dem Kranken- hausentlastungsgesetz dafür gesorgt, dass die Einnahmenaus- fälle kompensiert werden. Ob die Zahlungen am Ende allerdings reichen werden, um alle Mehrbelastungen und Mindereinnah- men auszugleichen, ist derzeit noch offen. Dr. Jürgen Zieger: Für die Städte und Gemeinden ist der finan­ zielle Schaden immens. Unserem Finanzhaushalt fehlen schon jetzt ca. 30 Millionen Euro an Gewerbesteuer. Die Landes­ regierung hat dieses Defizit jedoch nur in Teilen übernommen. Das ist zu wenig. Wir fordern eine stärkere Unterstützung. Die gesamten wirtschaftlichen Auswirkungen und finanziellen Einbußen sind noch nicht abzusehen, das Ende der Pandemie ist nicht in Sicht. Ja, wir stecken noch mittendrin; die nächste Welle steht uns laut Virologen bald bevor. Wie rüstet sich das Klinikum für diese Zeit? Matthias Ziegler: Natürlich werden im Winter die Viruserkran- kungen zunehmen und neben den Corona-Infektionen auch die nächste Grippewelle auf uns zu kommen. Darauf stellen wir uns ein. Im Gegensatz zum Frühjahr sind wir aber nun gerüstet. Wir haben einen auf die aktuellen Herausforderun- gen zugeschnittenen Pandemieplan mit verschiedenen Eska- lationsstufen erarbeitet und können jederzeit entsprechend reagieren. Intensivbetten, die wir aufgestockt hatten und teilweise nicht benötigt wurden, sind schnell reaktiviert, Iso- lierstationen erweitert, Hygiene- und Organisationsabläufe auf die erforderliche Situation angepasst. Außerdem wächst mit jedem Tag die Erkenntnis über Therapieformen in der Patientenbehandlung. Unsere Ärzte sind hier sehr engagiert und stark vernetzt, um die neuesten Erkenntnisse in die Behandlungen einfließen zu lassen. Des Weiteren prüfen wir aktuell den Einsatz eines neuen PCR (Polymerase-Ketten- Reaktion)-Schnelltests, der uns innerhalb weniger Minuten Aufschluss gibt, ob sich ein Patient mit Corona infiziert hat. Der Einsatz dieser Tests würde den Ärzten schnellstmögliche Gewissheit geben, wie der Patient weiter zu behandeln ist und zusätzlich eine enorme Entlastung bei den Isolationsmaß­ nahmen mit sich bringen. Aktuell läuft unser Klinikum im Status Normalbetrieb mit erhöhter Wachsamkeit. Selbstverständlich ist die Beachtung der aktuellen Hygieneregeln ebenso sichergestellt, wie die Ein- haltung der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen für Krankenhäuser. Darunter fallen z.B. die noch immer bestehen- den Einschränkungen für Besucher. Den Patienten steht das Klinikum jedoch in allen Bereichen vollumfänglich zur Verfü- gung und ich hoffe, dass es dabei auch bleiben wird. Wir wissen nicht, was die kommende Zeit uns bringt, aber wir sind sehr gut vorbereitet. Vielen Dank! Das Gespräch führte Ursula Kächele Gespräch über Corona, mit gebotenem Abstand: Dr. Jürgen Zieger (links), Oberbürgermeister der Stadt Esslingen a. N. und Matthias Ziegler, Geschäfts- führer des Klinikum Esslingen

RkJQdWJsaXNoZXIy NTQxOTA=