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2 2015

Esslinger Gesundheitsmagazin 33

Die Alternativen

„Zwei Drittel unserer Patienten sprechen gut auf die

medikamentöse Therapie an“, sagt Dr. Eitel. Ein Drit-

tel aber lässt sich medikamentös schlecht behandeln.

Für diese Patienten gibt es jedoch Alternativen.

Eine davon ist die so genannte ketogene Diät. Dabei

handelt es sich um eine sehr fettreiche, kohlenhy­

dratarme und eiweißlimitierte spezielle Form der

Ernährung. „Die Idee entstand aus der Beobachtung

schon vor tausenden von Jahren, dass die Anfalls-

stärke beim Fasten häufig abnimmt, erzählt Dr. Eitel.

„Die dabei zur Energiegewinnung entstehenden

Stoffwechselprodukte heißen Ketone – und diese

wirken sich positiv auf die Epilepsie aus.“ Die Keton-

Entstehung kann man nicht nur durch Fasten, son-

dern auch durch eine besonders fettreiche Ernährung

erreichen. Mindestens drei Monate und bis zu zwei

Jahren muss die ketogene Diät durchgehalten wer-

den. Sie wird engmaschig durch Diätassistentinnen

und Ärzte begleitet, Vitamine und Mineralstoffe

müssen gesondert eingenommen werden. „Die keto-

gene Diät ist aufwendig, aber die Hälfte der Patien-

ten profitiert von dieser Therapieform“, sagt der Epi-

leptologe, „weil die Anfälle deutlich zurückgehen.“

Weiterhin gibt es auch invasive Möglichkeiten. „Vor

allem, wenn die Epilepsie durch eine Aufbaustörung

der Hirnrinde verursacht wird, kann eine Operation

eine Alternative sein.“ Epilepsiechirurgie wird nur an

wenigen Zentren durchgeführt und ist nur dann

möglich, wenn die Anfälle immer am selben Ort ent-

stehen und dieser Bereich gefahrlos und ohne andere

nicht akzeptable Nachteile für den Patienten aus dem

Gehirn entfernt werden kann.

Wer einmal einen Fieberkrampf seines

Kindes erlebt hat, wird dieses Ereignis

nicht mehr vergessen. „Der Anfall sieht für

die Eltern sehr dramatisch aus“, sagt Dr.

Dr. Gudrun Schmiedel. Typischerweise

versteifen sich oder zucken alle Körper-

teile, die Kinder können blau oder blass

werden, die Atmung ist gepresst, das

Bewußtsein ist gestört. Dennoch ist der

Fieberkrampf in der Regel nicht gefährlich

und läuft in der ganz überwiegenden

Mehrzahl unkompliziert und unproblema-

tisch ab – ohne Folgeschäden.

Trotzdem sollte bei einem ersten Fieber-

krampf der Notarzt gerufen werden. Die

Kinder bleiben in der Regel für eine

Nacht im Krankenhaus. „Man muss

immer abklären, ob der Anfall nicht viel-

leicht eine andere Ursache hatte“, sagt

Dr. Dr. Schmiedel, „vor allem muss

sichergestellt werden, dass keine Hirn-

hautentzündung vorliegt.“

Auslöser ist in der Regel schnell ansteigen-

des Fieber z.B. im Rahmen eines Infektes.

Vor dem sechsten Lebensmonat und nach

dem fünften Lebensjahr sind Fieber-

krämpfe selten, am häufigsten sind sie im

zweiten Lebensjahr. Bis zu 50 Prozent der

betroffenen Kinder erleiden im Anschluss

noch weitere Fieberkrämpfe. „Wir emp-

fehlen den Eltern betroffener Kinder, fie-

bersenkende Mittel frühzeitig zu verabrei-

chen, um einem weiteren Fieberkrampf

vorzubeugen“, erklärt die Kinderneurolo-

gin. Außerdem bekommen die Eltern ein

anfallsunterbrechendes Medikament in

Form eines Mikroklistiers (Diazepam-Rec-

tiole), das sie im Falle eines Fieberkramp-

fes geben können, um diesen abzukürzen.

„Die Hauptsorge der Eltern ist natürlich,

dass sich eine Epilepsie entwickeln

könnte“, so Dr. Dr. Schmiedel. Dieses

Risiko ist nur bei Kindern mit komplizier-

ten Fieberkrämpfen, die länger als zehn

Minuten andauern, und vor allem bei

einer bereits vor dem Anfall auffälligen

Entwicklung (geistig oder körperlich)

erhöht. Ohne diese Risikofaktoren liegt

die Häufigkeit einer Epilepsie nach Fieber-

krämpfen nicht höher als in der Normal-

bevölkerung.

Fieberkrämpfe sind die häufigsten Krampfanfälle in der Kindheit.

Sie treten in Verbindung mit schnell ansteigendem Fieber auf,

betroffen sind vor allem Kleinkinder im zweiten Lebensjahr. Mit

echter Epilepsie haben sie jedoch nichts zu tun.

Der Fieberkrampf

>>>

Spielerische Untersuchung im Gespräch mit der kleinen Patientin