48 Esslinger Gesundheitsmagazin
2 2015
Gesundheit von Kindern und Jugendli-
chen, erklärte er. Für den wachsenden
Bedarf gebe es immer noch zu wenige
Plätze, denn die Zahl der Kinder mit psy-
chischen Problemen nehme genauso wie
die der Erwachsenen kontinuierlich zu.
Prof. Geißler plädierte dafür, mehr für die
Prävention zu tun. Unsere Gesellschaft sei
durch den Leistungsdruck und die Ökono-
misierung aller Lebensbereiche in hohem
Maße mitverantwortlich für die Zunahme
psychischer Probleme bei Kindern und
Jugendlichen. „Die Erwachsenen tragen
den Druck, dem sie im Beruf ausgesetzt
sind, in die Familien. Und überprotektive
Eltern lassen ihren Kindern keine Frei-
räume.“ Zudem seien die Kinder durch die
Werbung einem massiven Anpassungs-
druck ausgesetzt. Wer nicht mithalten
kann mit der angesagtesten Kleidung
oder dem neuesten Handy, wird ausge-
grenzt. Auch die Bildung werde zuneh-
mend ökonomisiert, urteilte Prof. Geißler.
„Sport und die kreativen Fächer werden
eingespart zugunsten der kognitiven
Fächer.“ Ein Umdenken in der Gesellschaft
müsse stattfinden, mit dem Ziel „dafür zu
sorgen, dass Dr. Joas weniger Arbeit hat“.
Tag der offenen Tür
Nach dem höchst amüsanten Festbeitrag
des „Ermutigers und Überlebensberaters“
Johannes Warth schloss der Chefarzt der
Esslinger Kinder- und Jugendpsychiatrie,
Dr. Gunter Joas schließlich die Reihe der
Festredner. Er wies noch einmal darauf
hin, dass viele der Kinder und Jugendli-
chen, die psychische Auffälligkeiten zei-
gen, nicht automatisch psychiatrisch
krank seien. Umso wichtiger sei es, für
diese Kinder rasch gute Therapiemöglich-
keiten zu bieten, damit sich die psychi-
schen Probleme nicht verfestigen. Die
neue Klinik biete für die Kinder einen
sicheren Ort, um ihre seelischen Notlagen
zu überwinden. Dafür sind die Stationen
bewusst sehr wohnlich eingerichtet. „Bei
uns liegen die Kinder und Jugendlichen
nicht krank im Bett“, erläuterte Dr. Joas.
Deshalb gebe es viel Bewegungsmöglich-
keiten, aber auch Raum sich zurückzuzie-
hen.
Davon konnten sich die Festgäste an-
schließend selbst überzeugen. Nach
dem offiziellen Teil ging es auf die Dach-
terrasse der neuen Kinder- und Jugend-
psychiatrie, wo Verwaltungsdirektor
„Bei uns liegen
die Kinder und
Jugendlichen
nicht krank im
Bett.“
Verwaltungsdirektor Wolfgang Hanselmann
überreicht den symbolischen Schlüssel an
Chefarzt Dr. Joas. Markus Schmidt vom baden-
württembergischen Ministerium für Arbeit
und Soziales spendet Applaus
Wolfgang Hanselmann den symboli-
schen Schlüssel für die Klinik offiziell an
Chefarzt Dr. Joas überreichte. Die Gäste
nutzten die Gelegenheit, die eingerich-
teten, aber noch nicht bewohnten
Räume der Klinik zu besichtigen und
sich mit Klinikmitarbeitern, Kollegen
und Kooperationspartnern auszutau-
schen.
Zwei Tage später, am Samstag den
27. Juni, hatten alle Interessierten die
Möglichkeit, die Klinik beim Tag der offe-
nen Tür zu besichtigen. Dazu gab es ein
buntes Programm, unter anderem mit
einem Kinderparcour aus Geschicklich-
keitstests, Experimenten sowie Kinder-
gipsen und einer Schatzsuche. Zudem
informierten das Sozialpädiatrische Zen-
trum, die Schule für Kranke, die Geburts-
hilfe, die Elternschule und die Klinik für
Psychosomatische Medizin und Psycho-
therapie über ihre Arbeit. „Der Tag der
offenen Tür war für unsere Arbeit beson-
ders wichtig, weil die Menschen hier
sehen konnten, dass die Klinik die Kinder
nicht einfach unterbringt, sondern eine
Wohnkultur schafft, in der sie sich wohl-
fühlen können“, sagte Dr. Joas.
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